„Sage es mir und ich vergesse… Zeige es mir und ich werde es vielleicht behalten… Lasse es mich tun und ich werde es können.“ (Konfuzius)

Im Waldkindergarten wird gemeinsam gelesen, gebaut, gemalt, oder auch mal was zum Essen gemeinsam zubereitet, wie in jedem anderen Kindergarten auch. Trotzdem ist hier vieles anders. Die Waldkinder der Waldgruppe verbringen ihren Kindergartenalltag an der frischen Luft und verzichten die meiste Zeit auf einen festen Raum. Sie sind zu Gast im Lern-Raum „Natur“ bei Buche, Eichhörnchen und Ameisen.

Gemeinsam erkunden wir den Wald, der sich zu jeder Jahreszeit verändert und den Kindern andere Möglichkeiten bietet. Im Wald müssen die Kinder kreativ werden und sich die Spielsituationen selber erschaffen, da weitestgehend auf vorgefertigtes Spielmaterial verzichtet wird. Durch das tägliche kreative Spiel in der Natur steht die Neugier, die Freude am Lernen, Entdecken und Erforschen sowie der Kontakt mit der Umwelt im Vordergrund.

Die pädagogische Orientierung unserer Waldgruppe richtet sich in erster Linie nach unserem Bild vom Kind, nach den Förderschwerpunkten des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes sowie nach den Erwartungen und Bedürfnissen der Kinder, der Eltern und des Trägers.

Im Wald kann man nicht nur jede Menge Spaß haben- es stehen folgende Bildungsbereiche im Vordergrund:

  • die Spracherziehung
  • die sozialen Kompetenzen
  • die Bewegungserziehung
  • die Kreativität

Im sozialen und sprachlichen Bereich erwerben die Kinder viele Fähigkeiten und Kenntnisse. Im täglichen Beisammensein erleben die Kinder ein Gemeinschaftsgefühl, lernen gemeinsame Absprachen einzuhalten und den wertschätzenden Umgang miteinander und mit der Natur.   

Gleichzeitig steht der motorische Bereich im Vordergrund. Hier wird die Grobmotorik sowie die Feinmotorik angesprochen. Die Grobmotorik wird geschult, wenn die Kinder auf unebenem Boden laufen, klettern oder rennen. Die Feinmotorik wird bei Fädelarbeiten wie z.B. einer Kastanienkette oder dem Schnitzen gefördert. Durch Spielsituationen, die die Kinder sich selber erschaffen, wird die Kreativität ausgebildet. Da wir weitestgehend auf vorgefertigtes Spielmaterial verzichten, stehen den Kindern die Naturmaterialien der Jahreszeit entsprechend zur Verfügung.

Die Kinder erleben im Wald die Jahreszeiten hautnah und können hier matschen, toben, träumen, kreativ werden und wild sein – einfach Kind sein.

Durch unsere tägliche pädagogische Arbeit unterstützen, fördern und begleiten wir die Kinder. Dabei gehen wir sowohl individuell als auch ganzheitlich vor. Wir berücksichtigen die Lebenswelten, Interessen, Temperamente und Fähigkeiten unserer Kinder und leiten daraus unsere Bildungsziele ab.

Beobachtungen und Dokumentation spielen dabei eine zentrale Rolle, um die Bildungsprozesse der Kinder bestmöglich zu begleiten.

 In der Waldgruppe betreuen wir Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt.

Bei Interesse an einem Kindergartenplatz oder sonstigen Fragen wenden Sie sich bitte per E-Mail an den Kindergarten oder telefonisch bei der Gruppenleiterin Waltraud Müller unter 0173-2421027.

Unser Waldplatz

Unsere Waldgruppe befindet sich im Waldstück Argle nahe dem Stammkindergarten in Großberg. Das angrenzende Waldstück beherbergt eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren und lädt täglich zum Erkunden ein.

 

Am Stammplatz der Waldgruppe steht eine beheizbare Waldhütte mit Stromanschluss. Ein Wasseranschluss ist nicht vorhanden. Das Wasser zum Händewaschen wird täglich in Wassersäcken zum Waldplatz gebracht. Die Waldhütte dient als Lagerraum für Bücher, Stifte, Wechselkleidung etc. sowie als Möglichkeit zum Aufwärmen an kalten und nassen Wintertagen.

In unmittelbarer Nähe zur Waldhütte befindet sich eine KomposttoiletteWindelfrei muss das Kind auch zum Start in der Waldgruppe nicht sein – wir unterstützen gerne die Sauberkeitserziehung.

Ein Tag bei uns in der Waldgruppe

  • Ankommen im Wald (8:00 – 8:30Uhr)

Morgens werden die Kinder entweder zur Waldhütte, kurzer Fußmarsch von der Heinrichtsstraße aus, gebracht oder treffen sich mit einer Betreuerin am Stammkindergarten und marschieren kurz nach 8 Uhr zur Waldhütte.

  • Morgenkreis (8:30 Uhr)

Unser Kindergartentag startet mit einem gemeinsamen Morgenkreis. Hier wird ein Morgenlied gesungen, gezählt wie viele Kinder heute da sind und das Tageskind darf sich ein Lied oder Spiel aussuchen. Je nach Thema oder Jahreszeit schauen wir noch ein Bilderbuch an, lauschen einer Geschichte oder lernen z.B. ein neues Fingerspiel. Häufig wird zum Schluss des Morgenkreises wird mit den Kindern demokratisch abgestimmt, ob sie heute bei der Waldhütte bleiben wollen, auf Entdeckungsreise in den Wald gehen oder zu einem Waldplatz marschieren wollen.

  • Gemeinsame Brotzeit (im Anschluss an den Morgenkreis)

Nach dem Morgenkreis geht’s zum Händewaschen, bevor sich dann jeder einen Platz sucht und seine Brotzeit auspackt. Nach einem gemeinsamen Essenspruch lässt sich jeder seine Brotzeit schmecken.

  • Freispielzeit an der Waldhütte oder Aufbruch in den Wald (9:00 – 11:00 Uhr)

Waldhüttentag

Nach der Brotzeit ist Freispielzeit. Hier darf jedes Kind entscheiden, was es, mit wem und wie lange spielt. Das kindliche Spiel ist ihre Möglichkeit die Welt zu entdecken. Hier werden erlebte Situationen nachgespielt, es entstehen Bauwerke, es werden z.B. Schnecken beobachtet, es wird geschnitzt und vieles mehr. Gespielt wird größtenteils mit dem, was die Natur uns zur jeweiligen Jahreszeit gerade zur Verfügung stellt. Ergänzend hierzu stehen den Kindern z.B. Bilderbücher, Buntstifte, Schubkarren, Lupen, Schnitzmesser, Schaufeln, alte Töpfe und vieles mehr zu Verfügung.

Aufbruch in den Wald

Nach der gemeinsamen Brotzeit werden die Rucksäcke aufgeschnallt und wir marschieren zu einem Waldplatz los. Getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“, geht es los. Unsere festgelegten Wartepunkte unterwegs sind für die Kindern wichtige Haltepunkte, sodass auch langsamere Kinder die Möglichkeit haben hinterher zu kommen. Beim Waldplatz angekommen, werden die Rucksäcke abgelegt und das Freie Spiel steht im Vordergrund.

  • 2. Gemeinsame Brotzeit (11:00 Uhr)

Gegen 11 Uhr findet eine zweite Brotzeit statt. Hier kann jedes Kind selber wählen, ob es viel oder gar nichts essen möchte. Es wird jedoch Wert darauf gelegt, dass jedes Kind etwas trinkt.

  • Rückweg zur Waldhütte (12:00 Uhr)

Es werden die Rucksäcke aufgeschnallt und es geht zurück zur Waldhütte.

  • Abschlusskreis (12:25 Uhr)

Bevor die ersten Kinder abgeholt werden, endet unser gemeinsamer Tag mit einem Abschlusskreis. Hier darf sich das Tageskind ein Abschlusslied aussuchen und jedes Kind darf erzählen, was heute gut oder eher nicht so gut war.

  • Abholzeit (12:30 Uhr – 13:30 Uhr)

Nach dem Abschlusskreis beginnt die Abholzeit und die ersten Kinder werden an der Waldhütte abgeholt.

  • Mittagessen im Stammkindergarten sowie Abholzeit (13:15 – 14:00)

Die Kinder, die zum Mittagessen angemeldet sind, gehen mit einer Betreuerin um 13:00 Uhr in den Stammkindergarten und werden dort abgeholt. 

Vorschule

Vorschule und Wald – passt das zusammen?

Das passt sogar bestens zusammen. Bei uns erwerben die Vorschulkinder in der Interaktion mit anderen und dem Naturraum Wald die Kompetenzen, die sie später für einen gelungenen Übergang vom Kindergarten in die Schule benötigen.

Bildung beginnt bereits von Geburt an. Ein Kind kann sich nicht nicht bilden. Es saugt permanent alle Eindrücke aus seiner Umgebung auf, kommuniziert mit anderen und erschließt sich so die Welt Stück für Stück. Diesen Prozess begleiten wir im Kindergarten vom ersten Tag an.

Im Vorschuljahr legen wir besonderen Wert darauf, die Kinder dabei zu begleiten, ihre allgemeinen sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten (Konzentration, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Sozialverhalten, Frustrationstoleranz) sowie bereichsspezifische Fähigkeiten (Sprachverhalten, phonologisches Bewusstsein, mathematische Vorläuferfähigkeiten) zu erwerben und weiter auszubauen.

Wir übersetzen die Vorschulinhalte auf die Möglichkeiten, die unser Naturraum Wald uns bietet. Wir lernen mit allen Sinnen, mit dem ganzen Körper und im Miteinander und im Einklang mit der Umgebung.

 

Indem wir schnitzen, fördern wir unsere Hand-Augen-Koordination und die Feinmotorik. Indem wir lernen, uns auf dem unebenen Waldboden voller Wurzeln, Stöcken und Steinen sicher zu bewegen, fördern wir unser Körperbewusstsein und unsere räumliche Wahrnehmung. Indem wir selber als Baumeister tätig werden und Tipis, Türme und andere Konstruktionen bauen, erwerben wir physikalisches und räumliches Wissen und Verständnis. Wir lernen in der Bewegung, im Ausprobieren, im Scheitern, im Siegen, im Anstrengen, im Fragen, im Antworten finden, im Entdecken. Wir lehren nicht Vorschule – unsere Kinder erleben Vorschule.